Museum
Archiv
  Familienforschung
Impressum
English
Weitere Projekte - Denkmalpflege (Auswahl)
Wetzlar, Siedlung Stoppelberger Hohl
1918, im letzten Kriegsjahr, wurde südlich der Kernstadt Wetzlar ein neues Baugebiet zur Errichtung einer Siedlungskolonie ausgewiesen. Die Bebauung durch den Bau- und Sparverein Wetzlar erfolgte in drei Phasen von 1919 bis 1928. Zur Ausführung gelangten stark typisierte Wohnbauten mit unterschiedlich vielen Wohnungen. Mit der Anlage wurden Ideen sowohl der Gartenstadtbewegung als auch des Heimatstils aufgegriffen: Reduzierung der Zierelemente, lockere "Solitärbebauung", und Durchgrünung der Anlage mit Nutz- und Ziergärten. Der Portalbau markiert den Eingangsbereich der Kolonie. Die Siedlung steht heute als Gesamtanlage unter Denkmalschutz. Mit Abgabe des Berichts wurden in einer ausführlichen Fotodokumentation Abbildungen aller Häuser sowie aller erhaltener historischer Baudetails, vor allem Fenster und Türen, aber auch Staketenzäune, Gartenanlagen und Metallgeländer vorgelegt. Zudem konnten die Originalpläne der wesentlichen Haustypen gefunden und den noch heute bestehenden Gebäuden zugeordnet werden. Ein Abriss der Geschichte des Bau- und Sparvereins sowie des regionalen genossenschaftlichen Bauwesens schließen die Arbeit ab.

Schleusen in der Lahn

Im Zuge der zweiten Ausbaustufe der Lahn als Binnenschifffahrtsweg wurden zwischen 1843 und 1851 die Schleusen in Oberbiel, Altenberg, Wetzlar und Dorlar erbaut. Während die Wetzlarer Schleuse bereits in den 1930er Jahren dem Straßenbau zum Opfer fiel, sind die anderen als technische Denkmäler erhalten.
Sie sind im Grunde alle einem einheitlichen System folgend erbaut und ihre Schleusenkammern innen mit Marmor aus Brüchen der näheren Umgebung verkleidet. Das Besondere an der Schleuse in Oberbiel ist, dass innerhalb eines Kanalsystems zwei Schleusenkammern untergebracht sind, es sich aber nicht, wie beispielsweise in Weilburg, um eine Koppelschleuse handelt.
Aufgabe von AHB ist es, durch Archivrecherchen Details der Baugeschichte zu eruieren und anhand einer Fotodokumentation den erhaltenen Bestand festzuhalten. Hierfür wurden Akten vor allem im Landesarchiv Koblenz und im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin eingesehen und ausgewertet.


Friedhofsdokumentation
Der Friedhof der russisch-orthodoxen Gemeinde Wiesbaden gehört zu den größten, ältesten und historisch bedeutsamsten in der Bundesrepublik Deutschland. Er wurde im Zusammenhang mit dem Bau und der Einweihung der russisch-orthodoxen Kapelle in der Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt. Bis heute finden sich hier mehr als 700 Grablegen.
Dazu zählen ebenso berühmte wie auch "eigene" Persönlichkeiten: Zum Beispiel der Maler Alexej von Jawlensky (1864-1941) oder Baron Carl Friedrich von der Osten (1795-1878), von dem überliefert ist, dass er sich sein Grab schon zu Lebzeiten einrichten ließ. Als es fertig war, stieg von der Osten hinein und trank zur Einweihung eine Flasche Champagner.
Zur Vorbereitung der anstehenden Sanierung und neuerlichen Pflege der Grabstätten war AHB damit beauftragt, vor allem die historischen Grabmäler fotographisch zu erfassen, einem vorhandenen Belegplan zuzuordnen und in Schadenskategorien zu systematisieren.

Russisch-Orthodoxe Kapelle, Wiesbaden
Hoch über Wiesbaden, auf dem Neroberg steht die 1855 eingeweihte russisch-orthodoxe Kapelle. Sie wurde von den nassauischen Baumeister Philipp Hoffmann erbaut, der die Pläne dazu noch während seiner Russlandreise entwarf.
Im Zuge der laufenden Renovierungsarbeiten im September 2003 wurden unter dem Fußboden der Unterkirche zwei Kanäle freigelegt, deren Funktion zunächst ungeklärt war.
Aufgabe von AHB war es, anhand eingehender Archiv- und Planstudien eine detaillierte Baugeschichte nach zu zeichnen. Als Ergebnis konnte nachgewiesen werden, dass noch während der Bauphase eine Heizung nachträglich eingeplant und geschaffen wurde. Zudem wurde - ebenfalls nachträglich - ein Teil der Nordwand wieder abgerissen und an seiner Stelle eine "Rotunde" zur Aufnahme es Sarkophags errichtet. Diese und andere Planänderungen geschahen auf ausdrücklichen Wunsch des Herzogs von Nassau.

Der Ortsdamm in Bischofsheim

Bischofsheim liegt auf der Mainspitze, einer Region, die noch in geschichtlichen Zeiten von den Flüssen Rhein, Main und Neckar gestaltet wurde. Zudem lag der Ort bis zur Mainregulierung unmittelbar am "Bügen", einer Schleife des Flusses, die heute verlandet ist. Wie andere benachbarte Orte, z.B. Astheim und Ginsheim, umgab sich das Dorf zum Schutz gegen Hochwasser mit einem Ortsdamm. Einzigartig ist, dass sich in Bischofsheim dieser Damm in großen Teilen bis auf den heutigen Tag erhalten hat und das Ortsbild prägt.
Die Archivauswertung konnte für die frühe Zeit keinen neuen Erkenntnisse bringen, der Damm wird in den Akten nicht erwähnt. Mit verbessertem Hochwasserschutz entlang des Mains verlor der Ortsdamm mehr und mehr seine Funktion, wurde privatisiert und teilweise bebaut, in kleinen Bereichen auch abgetragen. Eine fatale Fehleinschätzung, denn durch das Jahrhunderthochwasser 1882 wurden annähernd 100 Gebäude innerhalb und außerhalb des Ortsberings beschädigt. Die daraufhin geplante Erweiterung des Ortsdamms wurde jedoch nicht mehr realisiert.


Die Schwedensäule bei Erfelden

Die Schwedensäule wurde vermutlich noch auf persönlichen Befehl von Gustav Adolf II 1632 durch den Baumeister M. Staud unmittelbar am rechten Rheinufer errichtet. Sie erinnert an den erfolgreichen Rheinübergang des schwedischen Heeres ein Jahr zuvor.
Bereits 1698 waren erste Erhaltungsmaßnahmen notwendig, da der Rhein die Uferbefestigung abgetragen hatte
und das Denkmal vollständig im Wasser stand. 1707 wurde es dann schließlich versetzt und ein Handwerker brachte illegal eine Inschrift ein, die heute nicht mehr vorhanden ist. Weitere Reparaturen erfolgten in späteren Jahren und Jahrhunderten. Intensive Recherchen brachten bislang unbekannte Akten, zum Beispiel aus dem Schwedischen Reichsarchiv Stockholm, zu Tage, darunter ein maßstabsgerechtes Aufmaß der Säule aus dem Jahr 1898. Durch ihre Auswertung konnten Teile der Geschichte des Monumentes neu geschrieben werden.

Historische Wasserleitung in Weilburg
Der steigende Wasserbedarf, vor allem ausgelöst durch die Einrichtung eines barocken Lustgartens, führte in der Residenzstadt Weilburg am Ende des 17. Jahrhunderts zu einem relativen Wassermangel. Dieser wurde im Jahr 1700 zunächst dadurch behoben, dass bei der Brückenmühle, unmittelbar am Ufer der Lahn, ein wassergetriebenes Kolbenpumpwerk erbaut wurde, das das Flusswasser in ein rund 50.000 Liter fassendes Bassin im städtischen Kirchturm pumpte. Fast gleichzeitig wurden auf dem gegenüberliegenden Prallhang der Lahn große Reservoires angelegt, deren Wasser - dem Prinzip der kommunizierenden Röhren folgend - über eine eigens angelegte Brücke die Stadt, das Schloß und den Lustgarten versorgten.
Über dieses "Highlight" wasserbautechnischer Kunst hinaus wurde die Entwicklung des Gesamtsystems anhand archivalischer Studien bis zur Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert dargestellt.
Ein Gemeinschaftsprojekt von Landesamt für Denkmalpflege Hessen, FH Wiesbaden, FH Darmstadt, Stadt Weilburg und AHB. Aufgabe von AHB war es, anhand ausführlicher archivalischer Studien die Entstehung und Entwicklung dieses immer weiter verfeinerten Systems nachzuzeichnen.
© 2011 AHB